Ungefähr im Jahr 1996 fing es bei mir mit der berühmten "Uhr der Oma" an. Diese kleine, unschuldige Kaminuhr von der Firma Jauch & Haller setzte in mir den Uhrenbazillus frei. Ohne großes Vorwissen machte ich mich an die Arbeit und baute das Werk aus. Ich beobachtete und studierte das Werk bis ich die Abläufe verstanden hatte. Das Werk wurde repariert, gereinigt und wieder montiert. Seit dieser Ze
it läuft die Uhr sehr zuverlässig und genau. Ich finde es gerade in unserer heutigen, sehr schnelllebigen Zeit schön und auch sehr wichtig, das Alte nicht zu vergessen und zu bewahren. Jede mechanische Uhr hat ihren eigenen Charakter und erzählt ihre ganz eigene Geschichte. Diese Geschichte interessiert mich und so widme ich mich jeder Uhr ganz speziell von der Alltagsuhr die quasi ohne Ansprüche immer ihren Dienst tut, bis hin zu den ganz speziellen, etwas zickigen Uhren die schon fast gebeten werden wollen. Das Restaurieren von Uhren ist nicht mein Hauptberuf sondern eine Berufung, ein Hobby. Deswegen ist es für mich einspannend, nach einem stressigen Tag an einer Uhr zu arbeiten. Mein Hobby hat mich zum DGC der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (DGC) e.V gebracht bei der ich auch Mitglied bin. Wenn ich eine „neue“ Uhr kaufe oder bekomme, dann ist es für mich sehr interessant herauszufinden, wo die Uhr herkommt, wann sie entstanden ist und wie wohl ihre Geschichte sein mag. Früher wurden Uhren, die in der Anschaffung exorbitant teuer waren, gehegt und gepflegt und gehütet wie ein Augapfel. Die Uhrwerke erzählen mir wie die Vorbesitzer oder deren Nachkommen mit ihnen umgegangen sind. Die anfallenden Arbeiten, die ich nach einer groben Sichtung festgestellt habe, erledige ich alle in ursprünglicher Handarbeit, um ein Gefühl für das Material zu bekommen. Bei anfallenden Fragen hilft mir eine kleine Sammlung von Fachbüchern immer weiter. Wichtig ist für mich bei einer Restauration, dass die Funktion wieder hergestellt wird, man aber der Uhr nicht ihr Aussehen nimmt. Es muss einfach stimmig werden. So darf man einer Uhr ihr Alter ruhig ansehen. Es dauert immer ein paart Tage manchmal aber auch Wochen bis eine Uhr wieder so aussieht, wie ich es mir vorstelle. Die Uhr darf ihre Patina nicht verlieren, muss aber sauber und vollständig funktionsfähig sein. Bei einer Restauration kommt es mir nicht auf die Zeit an. Wichtig ist für mich, dass am Ende eine schöne und funktionsfähige Uhr vor mir steht. Was wird bei einer Restauration vorgenommen:
Die Uhr wird erst einmal komplett zerlegt. Das Gehäuse wird auf Schäden untersucht und wenn notwendig werden Arbeiten wie z. eine Holzwurmbehandlung, Holz- oder Furnierarbeiten oder sogar eine neue Lackierung mit Schellack vorgenommen. Selbstverständlich wird das Gehäuse vorher in mehreren Arbeitsschritten Außen und Innen gereinigt. Am Ende bekommt die Uhr noch eine Politur als Konservierung und zum Schutz vor Schädlingen. Die Anbauteile wie Verzierungen aus Messing oder Beschläge werden aufgearbeitet und poliert. Gerade bei diesen Arbeiten ist es wichtig nicht die Patina der Uhr zu vernichten. Diese Arbeiten werden mir größter Vorsicht und in nur sehr kleinen Arbeitsschritten vorgenommen. Das Uhrwerk wird zerlegt, gereinigt und vor dem Zusammenbau inspiziert. Wenn keine weiteren Arbeiten am Werk nötig sind wird es nach der Reinigung wieder montiert, geölt und wo nötig geschmiert und für einen einwandfreien Lauf neu Justiert. Jedes Werk muss einen Testlauf von 14 Tagen im Probierstuhl bestehen bevor es wieder in sein überarbeitetes Gehäuse darf. Hin und wieder kommt es vor, dass ich vor einem Problem sitze das mit meinen Mitteln einfach nicht lösbar ist. Bei solchen Problemen wende ich mich gerne an den Uhrmacher meines Vertrauens, oder finde bei den Kollegen meines Uhrenstammtisches oder in verschiedenen Internetforem Rat. Das Zifferblatt einer Uhr ist sozusagen ihr Gesicht. Deswegen werden diese mit äußerster Vorsicht behandelt. Wenn ein Zifferblatt so berieben oder beschädigt ist das es nicht mehr lesbar ist muss es oft neu nachgefertigt werden, dabei ist mir am wichtigsten, dass es dem alten Original zu verwechseln ähnlich sieht. Gut erhaltene Zifferblätter werden nur vorsichtig mit speziellen Mitteln gereinigt. Haben Uhrwerk und Zifferblatt wieder zueinander gefunden werden sie in das Gehäuse gesetzt. Und hier beginnt der letzte Schritt. Das Einstellen des Gongs. Im Vorfeld wurde der Gong, die Tonfeder, die Tonstäbe oder die Tonspirale gereinigt und wieder im Gehäuse verbaut. Nun, da das Werk wieder ins Gehäuse kommt wird das Werk im Gehäuse ausgerichtet und der Gong wieder neu eingestellt damit er wieder seinen schönen Klang im Haus oder in der Wohnung verbreiten kann. Erst wenn alles stimmt und sich keine Fehler mehr zeigen, dann ist für mich die Restauration abgeschlossen. Bei manchen Uhren fällt es mir schon schwer sie wieder herzugeben. Das muss ich zugeben. Es ist einfach schön zu sehen, wie ich einer alten Uhr wieder neues Leben geben kann und sie wieder zu einem Schmuckstück machen kann an dem man sich noch viele Jahre erfreuen kann.
Uhren-Bayreuth