17/05/2026
Eine neue Studie hat gezeigt, dass Kindheitstraumata einen dauerhaften molekularen Abdruck in den Spermien eines Vaters hinterlassen — einen Abdruck, der möglicherweise die Gehirnentwicklung seiner zukünftigen Kinder beeinflussen kann.
Forschende der Universität Turku und der FinnBrain-Geburtskohorte in Finnland haben Spermienproben von Männern analysiert, die in zwei Gruppen eingeteilt worden sind: Männer mit hoher Kindheitsmisshandlung und solche ohne. Mithilfe von Small-RNA-Sequenzierung und DNA-Methylierungskartierung hat das Team 68 tRNA-abgeleitete kleine RNAs und MikroRNAs identifiziert, die bei Männern mit schwerer Kindheitsbelastung auf signifikant unterschiedlichen Niveaus exprimiert worden sind. Außerdem sind drei Regionen mit differenzieller DNA-Methylierung gefunden worden, darunter Stellen in der Nähe der Gene CRTC1 und GBX2 — die beide für die Regulierung der Gehirnentwicklung bekannt sind.
Diese epigenetischen Marker stellen Veränderungen dar, wie Gene ein- oder ausgeschaltet werden, ohne die zugrunde liegende DNA-Sequenz selbst zu verändern. Ihr Vorhandensein in der Nähe von für das Zentralnervensystem entscheidenden Genen legt die Möglichkeit nahe, dass die Stressgeschichte eines Vaters beeinflussen könnte, wie sich das Gehirn eines Kindes entwickelt — noch vor der Geburt. Die Studie hat auch niedrigere Werte einer bestimmten MikroRNA namens miR-34c-5p bei Männern mit höherer Kindheitsbelastung gefunden — ein Befund, der frühere Forschungsergebnisse in diesem Bereich repliziert.
Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Studie eine Assoziation, keine Kausalität nachweist. Ob und wie diese epigenetischen Veränderungen auf Nachkommen übertragen werden und welche funktionellen Auswirkungen sie haben könnten, muss in zukünftigen Studien noch geklärt werden. Dennoch fügen sich die Ergebnisse in eine wachsende Zahl von Belegen ein, die zeigen, dass die gelebten Erfahrungen eines Elternteils ein biologisches Erbe in der nächsten Generation hinterlassen können.
Bilder wurden mit KI generiert und dienen lediglich zur Veranschaulichung.
Quellen: Tuulari, J. J., Bourgery, M., Iversen, J., Koefoed, T. G., Ahonen, A., Ahmedani, A., Kataja, E.-L., Karlsson, L., Barrès, R., Karlsson, H., & Kotaja, N. (2025). Exposure to childhood maltreatment is associated with specific epigenetic patterns in s***m. Molecular Psychiatry.