06/09/2025
Coco Chanel und die Normandie
Wenn wir an Coco Chanel denken, haben wir sofort kleine Schwarze, Perlenketten und das berühmte Chanel No. 5 im Kopf. Doch ihren ganz großen Durchbruch verdankt sie nicht Paris, sondern einem kleinen Ort am Meer: Deauville in der Normandie.
1912 kam Coco mit ihrem Geliebten Arthur »Boy« Capel hierher. Sie hatte in Paris bereits ein kleines Atelier für Hüte eröffnet, doch erst das Licht, der Wind und die Leichtigkeit an der Côte Fleurie gaben ihrer Mode eine völlig neue Richtung.
Damals waren Frauen buchstäblich in Korsetts, Unterröcke und enge Schnürstiefel eingeschnürt. Chanel aber wollte Befreiung. Sie wollte, dass Frauen sich bewegen konnten – frei, ungezwungen, selbstbewusst. In Deauville wagte sie den Bruch mit der alten Mode und fand dabei auch ihre Farben und Formen: Beige wie der Sand am Strand, Blau-Weiß wie die Matrosenpullis der Fischer, weit und praktisch geschnitten wie die Kleidung der Männer.
Oft lieh sich Coco die Hemden und Hosen ihres Liebhabers. Zu groß zwar, aber mit einem Gürtel getragen entdeckte sie, wie angenehm und elegant weite Kleidung sein konnte. Bald kombinierte sie das mit dem Stoff, der sie berühmt machen sollte: Jersey. Bis dahin galt er als Material für Unterwäsche – Chanel aber verwandelte ihn in elegante Alltagsmode. Ein Skandal und zugleich ein Befreiungsschlag.
Ihr Blick für Details ging weit über den Strand hinaus. Auf der Rennbahn von Deauville sah sie die sorgfältig gekleideten Stallburschen, bei einem Polospiel entdeckte sie das Jersey-Trikot. Alles, was sie beobachtete, flocht sie in ihre Mode ein – schlicht, sportlich, praktisch und gleichzeitig revolutionär.
1913 mietete sie schließlich ein kleines Geschäft direkt gegenüber dem Casino von Deauville. Dort verkaufte sie ihre Hüte – und bald auch die ersten Kleider und Pullover, die den Beginn einer neuen Modeära markierten.
Deauville war der Ort, an dem Chanel ihre Freiheit fand – und sie in Stoff und Schnitt übersetzte. Hier begann ihre Erfolgsgeschichte, die die Modewelt bis heute prägt.