08/01/2026
Verbundenheit
Die Erfahrung des Verbundenseins ist einer der schönsten bewussten Zustände des Menschseins. Vielleicht nicht einmal direkt das Verbundensein, sondern das Erkennen dessen nach einer langen Durststrecke.
Die Suche nach den Pforten der Erkenntnis führt oft durch die schwarze Nacht der Seele, ein Verwirrungszustand voller Unsicherheit, oft begleitet von heftigen Emotionen, wie Angst, Verlustgefühl und Trauer.
Wie im Märchen steht vor jeder Erkenntnis eine Entwicklungsreise, eine Zeit der Wanderschaft durch neues, unbekanntes Terrain, in dem man forschend lauschend Stück für Stück, Schritt für Schritt darauf vorbereitet wird.
Du machst dich auf, ein neues Reich zu erobern und verlässt deine vertrauten Gefilde, deine Comfortzone, und begibst dich mehr oder weniger gut ausgerüstet auf Wanderschaft. Auf deiner Reise triffst du auf neue Weggefährten, überwindest Schluchten und Berge, du folgst deinem inneren Drang, als ob etwas in dir genau wüsste, was zu tun ist. Und das ist auch vollkommen richtig, denn dein Unbewusstes weiß viel mehr, als du bewusst wahrnehmen kannst. Der unbewusste Wissens- und Weisheitsschatz ist nahezu unendlich groß. Jeder Weg, jede Entscheidung und Konsequenz ist hier als Möglichkeit vorhanden.
Dein Geist braucht aber genau diese Reise, um das Wissen zu erfahren, er braucht jeden einzelnen Schritt, um es sinnlich BEgreifen zu können und aus dem ungreifbaren Reich der Seele in seine menschliche Realität zu bringen. Das geschieht oft unter heftigen Emotionen. Sie sind es, die die neue Erkenntnis in uns verankern.
Wie du dich als Mensch hier auf Erden entwickelst, in welche Richtung du dich ausdehnst - zuerst angeleitet in der Kindheit, dann immer mehr durch autarke Entscheidungen - hängt ab vom menschlichen Filter deines Körpers und deines Geistes, den ich als individualisierten Part der verbundenen Weltenseele wahrnehme.
Oft wird davon gesprochen, dass wir mit unserer Geburt das Allwissen um die Verbundenheit vergessen. Doch Vergessen ist ein passiver Prozess - wir alle wissen, wie schwer es ist, schier unmöglich, etwas aktiv vergessen zu wollen. Meiner Meinung nach hat vor allem in der ersten Lebenshälfte die sinnliche Erfahrung des Körpers Priorität.
Man sammelt viele Erfahrungen im Laufe des Lebens, die an irgendeinem Punkt die große Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz aufwerfen, die oft die Initialzündung zur vorher beschriebenen Reise liefert.
In meiner Wahrnehmung der Welt geschieht nichts ohne Sinn. Nur weil ich manchmal den Sinn einer Sache nicht verstehe, heißt das nicht, dass sie keinen Sinn hat. Ist man ein reflektierter Mensch, kann man in der Rückschau, beim "Zwischenresümee" ziehen, begreifen, dass einen die gesammelten Erfahrungen erst zu dem Mensch machten, der man gerade ist.
Oft liegt darin ein großes Glücksempfinden, da es in dieser Anschauung kein "Richtig" oder "Falsch" gibt. Alles Erlebte wird zum Teil des Ganzen. Stück für Stück schließt sich der Kreis. Selbst sehr schmerzliche Erfahrungen tragen dazu bei, den Schmerz anderer besser zu verstehen und milder zu werden im Urteilen, da man anhand der eigenen Unzulänglichkeiten eine gewisse Demut erlangt. Es gibt etwas, das größer ist als wir alle. Und es hat viele Namen.
Natürlich bedarf es einer bewussten Entscheidung für dieses Paradigma einer absichtsvollen Welt. Um eine Lebenseinstellung zu verankern, braucht es immer das bewusste "JA" des Geistes. Damit meine ich kein dahingesagtes Wort, sondern das tiefe Ja, das sowohl körperliches Wohlbefinden durch unsere Körperintelligenz, als auch die verstandesmäßige Zugewandtheit voraussetzt.
Kongruenz auf allen Ebenen bedingt eine Ausrichtung der Energie. Als ob diffuses Licht zum Laserstrahl ausgerichtet wird. Und wir alle wissen, welche Kraft in dieser Bündelung liegt. Dieselbe Kraft steht auch jedem einzelnen von uns zur Verfügung, wenn er lernt, sie auszurichten.
"Mensch werden ist eine Kunst.", sagte schon Novalis.
Und Kunst ist ständiger Wandel, lebendiger persönlicher Ausdruck von Aktion und Reaktion auf seine Welt.
Also warum nicht das Leben selbst zum Kunstwerk erheben im Wissen um die Verbundenheit, die uns einander berühren lässt, sodass wir uns auf unserer Wanderschaft selbst zum Sinn werden.
In Liebe und Verbundenheit,
Deine Beate Helene